Besuch im Brüsseler Europaviertel

Im Rahmen ihrer strategischen Ziele, die die Diakonie Rosenheim mit dem Ausbau ihres Engagements auf europäischer Ebene verfolgt, besuchte eine fünfköpfige Gruppe aus Leitungskräften und Mitarbeitenden der Diakonie Rosenheim vom 30. Januar bis 1. Februar das Europaviertel in Brüssel.

Direkt vor Ort wollte die Gruppe Kontakte zu Personen knüpfen, die u. a. Diakonische Werke bei der Beantragung von EU-Fördergeldern unterstützen. Zudem sollte mit der Reise ganz allgemein das Wissen des Trägers im Bereich der EU-Förderung vertieft werden, denn die Diakonie Rosenheim möchte künftig – wie auch bereits bei einigen Projekten erfolgreich geschehen – die Fördermöglichkeiten der EU stärker nutzen.

Das Programm, das Gastgeberin Katharina Wegner, Beauftragte der Diakonie Deutschland bei der Europäischen Union in Brüssel, für die Delegation aus Oberbayern organisiert hatte, sah insgesamt sechs Treffen mit Vertreter(inne)n in Brüssel arbeitender Organisationen vor:

Los ging es im Europäischen Parlament, wo neben einem Besuch auf der Gästetribüne im Plenar- und Sitzungssaal des EU-Parlaments auch ein etwa einstündiges Gespräch mit Prof. Dr. Angelika Niebler, MdEP der CSU-Fraktion für den Bezirk Oberbayern, auf dem Programm stand.
Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags am 27. Januar war Charlotte Knobloch, ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, nach Brüssel gereist und hielt vor den Abgeordneten des EU-Parlaments eine Rede. Im Anschluss an die Ansprache der Holocaust-Überlebenden fand im Plenarsaal eine Gedenk- bzw. Schweigeminute statt, zu der sich auch die Gäste auf der Tribüne gemeinsam mit den Abgeordneten erhoben.
In dem Gespräch mit Prof. Dr. Angelika Niebler stellte sich die Diakonie Rosenheim zunächst als Träger (Standorte, Angebote etc.) vor, bevor Prof. Dr. Niebler ihre Aufgaben sowie ihren Tagesablauf als Europaabgeordnete beschrieb. Der Termin gewährte interessante Einblicke in das Leben, die Arbeit und die Arbeitsweise der Europaabgeordneten und machte deutlich, wie langwierig und mühsam die Entscheidungsprozesse in Brüssel zum Teil sind.

Im Anschluss traf sich die Reisegruppe mit Ulrike Truderung, Referentin der Servicestelle für EU-Förderpolitik bzw. -projekte der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) und der Diakonie Deutschland in Brüssel. Nach einer erneuten Vorstellung des Trägers erläuterte Ulrike Truderung zunächst die Ziele, die die EU mit der Förderung von Projekten verbindet, bevor sie auf die verschiedenen EU-Förderfonds und die Unterschiede zwischen direkt und indirekt verwalteten Förderprogrammen einging. Auch gab Ulrike Truderung Tipps, wie sich Kooperationspartner innerhalb Europas für geplante internationale Projekte finden ließen. Gegen Ende des Gesprächs gab die Referentin der Servicestelle noch einen Ausblick auf die Förderperiode der EU ab 2021.

Der folgende Tag startete mit dem Treffen mit Anne-Sophie Wislocki, Mitarbeiterin bei Eurodiconia in Brüssel. Sie wies nach einem allgemeinen Überblick über die Arbeit und Aufgaben von Eurodiconia u. a. darauf hin, dass man die Dachorganisation aller Diakonischen Werke in Europa auch kontaktieren könne, um für geplante grenzübergreifende, europäische Projekte geeignete Partner zu finden.

In dem Gespräch mit Luk Zelderlo von der EASPD ging es schwerpunktmäßig um neue Finanzierungszugänge für soziale Unternehmen – genauer um den Europäischen Fonds für strategisches Investment (zukünftig „InvestEU“ genannt), der bei Bedarf als Bürge für Bankkredite fungiert, um Sozialunternehmen bei Geldinstituten einen Kreditrahmen für Projekte zu ermöglichen, den sie ohne Bürgschaft nicht bekämen. Darüber hinaus interessierte sich Luk Zelderlo sehr für die Angebote der Behinderten- und Eingliederungshilfe unserer Sozialen Dienste Oberbayern, für die aktuellen Probleme im Bereich des sozialen Wohnungsbaus sowie für die Bewältigung der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016. Auch das Thema „Wirkungsorientierung“ war für Luk Zelderlo – wie auch für Dr. Ulla Engelmann – von großem Interesse.

Der Termin mit Dr. Ulla Engelmann, Referatsleiterin in der EU-Kommission, befasste sich neben dem genannten Thema u. a. mit den Vernetzungsmöglichkeiten sozialer Unternehmen verschiedener europäischer Länder, den das von ihr geleitete Referat Sozialunternehmer(inne)n bietet. In diesem Zusammenhang wurde auch über die Thematik des sozialen Unternehmertums im Allgemeinen gesprochen und seitens Dr. Engelmanns betont, dass Sozialunternehmen aus Sicht der EU innerhalb der Gesellschaft künftig eine immer bedeutendere Rolle spielten, die wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernähmen und damit soziale Brennpunkte zu entschärfen helfen.

Alles in allem bot der Besuch in Brüssel interessante Einblicke in die Entscheidungsabläufe und -prozesse der Europäischen Union und hat uns mit etlichen potenziellen Netzwerkpartner(inne)n in Kontakt gebracht. Gleichzeitig gab der Aufenthalt Aufschluss über die Richtung, in die die EU-Förderung ab 2021 – Stand heute – gehen wird, welche indirekten Unterstützungsmöglichkeiten es bei der Finanzierung von Projekten gibt und darüber, welche „Kanäle“ sich gut zur Identifikation potenzieller Projektpartner nutzen lassen.
Beeindruckend waren auch die sehr gute Organisation des Programms in Brüssel sowie die umfangreiche Betreuung vor Ort durch Katharina Wegner von der Diakonie Deutschland! Auch das detaillierte Interesse an unserer Arbeit, unseren Erfahrungen im Bereich der Wirkungsorientierung und während der Flüchtlingskrise hat beeindruckt und gezeigt, dass EU-Parlamentarier(innen) und Vertreter(innen) im Brüsseler Europaviertel tätiger Organisationen sehr interessiert an einem Austausch bzw. persönlichen Kontakt mit Sozialunternehmen aus den EU-Mitgliedsstaaten sowie an deren Rückmeldungen aus ihrer täglichen Arbeit und Berufspraxis sind!